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    1. Wachsen im digitalen ?kosystem

      Von der Hausbank
      zum Retailer

      Die Banken stehen unter Druck. Vor allem das Zinstief setzt ihnen zu. Unterdessen geben ihnen digitale ?kosysteme die Chance, neue, attraktive Gesch?ftsmodelle zu etablieren. ?hnlich wie in der Natur schaffen sie Raum für gewinnbringende Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Unternehmen und deren Kunden. Kreditinstitute k?nnen über diese Plattformen Services und Produkte von Partnern anbieten und mit neuen Rollen ihre Zukunftsf?higkeit sichern.

      IT-Giganten wie Apple und Start-ups wie die Smartphone-Bank N26 haben die Finanzdienstleistung als lukratives Gesch?ftsfeld fu?r sich entdeckt. W?hrend Banken im Zuge der Zinskrise Stellen streichen, fusionieren oder ihr Filialnetz verkleinern, machen die neuen Wettbewerber vor, dass die Digitalisierung attraktive Ertragschancen bietet. Die digitalen Gesch?ftsmodelle er?ffnen den Unternehmen Wachstumspotenziale und einen Mehrwert fu?r deren Kunden – und sind vor allem fu?r die wachsende Zielgruppe der Digital Natives attraktiv.

      Apple Pay etwa revolutionierte das mobile Bezahlen per iPhone auf Basis von Near Field Communication (NFC), die Smartphone-Bank N26 bietet eine komfortable und kostengu?nstige Kontofu?hrung per Handy an. Dabei nutzen insbesondere Gesch?ftsmodelle wie N26 gespeicherte Kundendaten, um automatisiert passende Produktempfehlungen zu versenden, die auf die aktuellen Bedu?rfnisse der Kunden zugeschnitten sind. Diese ma?geschneiderten Zusatzangebote, auch ?Next Best Offers“ genannt, garantieren eine hohe Abschlusswahrscheinlichkeit zu minimalen Vertriebskosten.

      MEHRWERT VIA WORLD WIDE WEB

      Ein Gesch?ftsmodell wie gemacht fu?r Banken. Schlie?lich besitzen diese eine Vielzahl von Kundendaten. Als Hausbanken, die wesentliche Konten eines Kunden verwalten, erhalten sie u?ber Zahlungsverkehrs- und Transaktionsdaten ein recht vollst?ndiges Bild u?ber dessen Ausgabe- und Konsumverhalten. Pioniere im Finanzsektor sind derzeit dabei, diesen Schatz mit Hilfe von neuen Plattformen zu heben: den digitalen ?kosystemen.

      Angelehnt an ?kosysteme in der Natur sind ihre digitalen Pendants Plattformen, u?ber die Banken ihren Kunden erg?nzend zum eigenen Angebot auch Produkte und Services von Partnern offerieren. Damit erweitern die Kreditinstitute ihr Gesch?ft u?ber das angestammte Finanz- und Versicherungsportfolio hinaus. Die Transaktionsdaten, deren Nutzung sie sich u?ber ihre Allgemeinen Gesch?ftsbedingungen explizit genehmigen lassen, bilden eine ideale Basis fu?r individuelle Empfehlungen.

      ZUSATZGESCH?FT MIT NEUEN ROLLEN

      Das bietet Banken die Chance, sich gegenu?ber ihren Kunden in neuen Rollen zu positionieren. Kauft ein Kunde etwa ein iPad, so erkennt dies das digitale ?kosystem und empfiehlt automatisiert eine passende Glasschutzversicherung oder eine Garantieverl?ngerung. Mit dieser Offerte erreicht die Bank ihren Kunden zu einem idealen Zeitpunkt: Er nimmt sie als Mehrwert wahr und greift gerne zu. Banken erzielen h?here Abschlussquoten und positionieren sich als Anbieter von Produkten und Services unbegrenzter Art.

      Mit Hilfe der Transaktionsdaten kann sich die Bank zudem als Finanzoptimierer pr?sentieren, indem sie ausgew?hlte Ausgabenbl?cke ihres Kunden analysiert und ihm alternative Angebote etwa fu?r Strom oder Mobilfunkleistungen unterbreitet. W?hrend Kunden Kosten sparen, erh?lt die Bank eine Vermittlungsgebu?hr. Die Analyse der Ausgabedaten wiederum gew?hrt ihr Einblicke in weitere Kostenbl?cke des Kunden, etwa Ausgaben fu?r Flugreisen. Hier kann sie ihn als Zugangsvermittler auf die Vergu?nstigungen hinweisen, die das Loyalit?tsprogramm einer Fluggesellschaft bietet. Fu?r den Abschluss einer Mitgliedschaft wird die Bank mit einer Provision belohnt.

      Digitale ?kosysteme bieten Banken die Chance, Zusatzgesch?ft zu generieren und sich gegenüber ihren Kunden in neuen Rollen zu positionieren.

      ERFOLGSMODELL ?GEORGE“

      Als Pionier in der Finanzbranche hat die Erste Bank aus ?sterreich mit ihrer Onlinebanking-Anwendung George ein digitales ?kosystem etabliert. George bietet eine Personal-Finance- Management-L?sung, mit der Kunden die Transaktionen ihrer Konten und Kreditkarten kategorisieren und grafisch anzeigen lassen k?nnen. W?hrend die Kunden somit eine übersicht u?ber alle ihre Finanzaktivit?ten erhalten, bekommt die Bank zus?tzliche Daten. Deren Nutzung l?sst sie sich bei der Installation der Banking-Anwendung ausdru?cklich genehmigen. Innerhalb eines Jahres hat die Erste Bank mehr als 500.000 Kunden fu?r die neue Banking-Plattform gewonnen, neben bestehenden auch zahlreiche neue. Ku?nftig sollen auch Drittentwickler an die Plattform andocken k?nnen.

      Das Beispiel zeigt: Digitale ?kosysteme er?ffnen Banken neue Wege, um u?ber erg?nzende Produkte und Dienstleistungen zus?tzliche Ertr?ge zu erschlie?en. Sie werden zum Retailer, also zur ?Buy-Bank“. Damit sichert die Branche bei sinkenden Vertriebskosten ihre Zukunftsf?higkeit.

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